© 2015 By Nadine T. C. Meyer Photography

Interview mit Jesse Garon (Sloppy Joe's) am 15.11.2016

November 18, 2016

 

Hamburgs Musiker trifft auf Sloppy Joe’s

Interview von Nadine T. C. Meyer

 

Die Rockband Sloppy Joe’s kommt aus Hamburg und wurde 2011 gegründet. Inspiriert werden die drei Musiker Jesse Garon (Vocals, Guitar), Johnny Angel (Bass/Backing Vocals) und Pätzy Dävey (Drums/Backing Vocals) von Bands wie KISS, Volbeat, Iron Maiden, Black Sabbath  und AC/DC, wobei sie sich nicht in eine Schublade stecken lassen. Sloppy Joe’s hat in diesem Jahr ihr zweites Album „Eight Reasons to Rock“ unter der Flagge von Timezone Records auf den Markt gebracht. 

Am 15.11.2017 besuchte ich den Sänger Jesse im Hamburger Untergrund, der mir Rede und Antwort stand.

                                                                                                                                                                   

 

Beschreibe doch mal in kurzen knackigen Worten wer Sloppy Joe’s ist und wie ihr zueinander gefunden habt.

 

Sloppy Joe’s ist eine Rockband aus Hamburg. Ich hab damals mit dem heutigen Bassisten Johnny Angel zusammen in einer anderen Band gespielt. Wir beide haben eine Leidenschaft für Classicrock, Hardrock und Heavy Metal, vor allem für die großen Bands, die viel Show machen. Unser Ziel war es, etwas Neues Besonderes zu probieren; und zwar eine Band auf die Beine zu stellen, die nach einem Konzept funktioniert, weiß wo es lang geht, viel Wert auf Show und Entertainment legt…also eine Band, die wir selber gerne live sehen würden. Über eine Anzeige stieß dann unser Drummer Pätzy dazu. Wir hatten eine kurze Findungsphase und haben die ersten Songs eingeprobt und arrangiert.

 

Wann wurde Sloppy Joe’s gegründet? Ihr spielt doch auch Coversongs, nicht wahr?

 

Gegründet haben wir uns im Sommer 2011, viel geprobt und wirklich nichts dem Zufall überlassen. Im Mai 2013 spielten wir einen ersten Testgig im Indra in Hamburg und  gleich danach begannen die Aufnahmen für unsere erste EP, die im  Dezember 2013 herauskam.  Am Anfang lag unser Fokus darauf, Popsongs, an die sich sonst keine Band herantrauen würde, in Heavy Rock Songs umzufunktionieren. Das Ganze ist ein bisschen „KISS-orientiert“ , d.h. es gibt sehr viel Interaktion mit dem Publikum; liegt auch daran, dass ich ein großer KISS-Fan bin. Ja, wir haben versucht die Songs so zu gestalten, als wären es komplett unsere eigenen. Viele Leute kennen die Originale gar nicht mehr und denken sogar, es wären unsere.

 

Da komme ich doch mal zum Bandnamen. Ich kenne nur das amerikanische Burger Rezept und die Kneipe in der Hemingway auf Key West verkehrte. Warum heißt ihr so? Sloppy Joe’s kennt doch keiner hier in Deutschland?

 

Ja, viele denken, der Name hätte einen direkten Bezug zu der Bar oder zum erwähnten Burgerrezept.  In gewisser Weise stimmt das schon. Man kann hier wunderbare Dinge hinein interpretieren, wie z. Bsp. das Gericht ist schnell zubereitet und schmeckt, was bei unserer Musik ähnlich ist. Wir haben keine Affinität zu der Bar, würden da natürlich gerne mal ein Konzert spielen, weil es wahrscheinlich eine witzige Situation wäre, aber unser Bandname ist eigentlich auf ein Zitat aus dem Film „Citizen Kane“ zurückzuführen. Die Story bei Citizen Kane ist, dass es diesen Bürger Kane gibt, der ein großes Schloss baut und es Xanadu nennt, dort lebt und sich von sämtlichen seiner sozialen Kontakte zurückzieht. Es gibt einen Reporter, der in der Hoffnung auf eine gute Story herausfinden möchte, wer diese Kane war und warum er sich zurückzog. Dabei befragt er ehemalige Weggefährten. Eine besonders witzige Szene im Film ist, wo der Reporter mit einem Typen in einer Kneipe redet, der ein Weggefährte Kane’s war, total besoffen am Tisch sitzt. Er lässt ordentlich Dampf ab und äußert sich abfällig über Citizen Kane.

Auch fällt ihm der Name dieses Schlosses Xanadu nicht ein. Er zählt also verschiedene Namen auf, ganz plötzlich auch „Sloppy Joe’s“. Kurz davor ist eine rhetorische Pause, wodurch das „Sloppy Joe’s“ besonders wirkt. Wir hatten den Film damals zusammen gesehen und in dem Moment hat es BING gemacht und wir wussten, das ist unser Name!

 

Bei Sloppy Joe’s nennst du dich „Jesse Garon“. Wer ist auf diesen Namen gekommen?

 

Es ist so: Elvis Presley hatte einen Zwillingsbruder, der bei der Geburt gestorben ist und Jesse Garon hieß. Ich habe einen großen Bezug zu Elvis. Sowohl die Art und Weise, wie er sich präsentiert, als auch der musikalische Stil faszinieren mich. Er hat an die 820 Songs aufgenommen und jeden Song im Moment des Singens gelebt. Mein Glück, dass ich Jesse Garon heiße. 

 

Was hat es mit den Namen Pätzy Dävey - Drums/BG-Vocals und Johnny Angel - Bass/BG-Vocals auf sich?

 

Es ist ein Spiel mit dem Publikum und der Aufmerksamkeit. Das sind Namen, die im Ohr hängen bleiben. Pätzy Dävey hat die doppelten Umlaute, wie man sie auch bei Mötley Crüe und Motörhead sieht. Johnny Angel ist der Bruder von Harry Angel aus dem Film „Angel Heart“. Bei uns ist also alles dabei: Attitude, Mystik, Geheimnisse und Rock’n‘Roll.

 

Welchem Genre würdet ihr eure Musik zuordnen? Gib es Bands, die Euch beeinflusst haben?

 

Wir mögen es nicht, nur in Kategorien zu denken. Wir machen Rockmusik und haben uns in allen Musikrichtungen bedient, die uns gefallen. Wir haben Einflüsse aus Classic und Hard Rock, Rock N Roll, Metal, Blues, Soul. Bei mir geht es von Elvis, Tom Jones, was den Gesang angeht, bis KISS, AC/DC und heftigstem Metal aus den 80ern/90ern, wie Slayer, die ich großartig finde. Dann mag ich auch Rythymn and Blues oder Motown. Also es ist ganz unterschiedlich. Johnny kommt auch aus der Punkecke und hat viel Misfits-Einfluss sowie die Sex Pistols und Ramones. Wir haben übrigens auch einen Ramones-Song auf dem aktuellen Album. Pätzy Dävey wiederum kommt tatsächlich eher aus dem Progressive Rock und ist ein großer Dream Theater und Mike Portnoy Fan. Aber im Endeffekt ist es einfach Rock’n’Roll, was wir machen. 

 

Schreibt ihr Eure Lieder dann zusammen? Oder wer ist da so die Keimzelle?

 

Die Keimzelle bin ich. Ich habe eine konkrete Idee und werfe es den beiden anderen zum Fraß vor. Dann werden die Songs so gemacht wie wir sie zu Dritt gemeinsam haben wollen.

 

Wie ist das bei den Coverstücken? Es ist ja teilweise schon schwer da seinen eigenen Stempel draufzusetzen um nicht, wie das Original zu klingen. Wie wählt ihr die Stücke aus?

 

Das ist meist aus dem Alltag heraus entstanden. Entweder es lief so ein Song im Radio und ich hatte dann erstmal nur die Melodie im Kopf. Das Geheimnis bei diesen Songs-Interpretationen ist, nur die Melodie und den Text zu übernehmen. Alles andere lassen wir komplett weg und bauen ein ganz neues Rock-Arrangement. Wir entfernen uns damit deutlich vom Original. Das macht es auch wieder so spannend, denn bei den Konzerten dauert es oft eine Weile, bis das Publikum weiß, was überhaupt los ist. Meistens merken sie es erst beim Refrain.

 

Welches Cover singst du am liebsten?

 

Wir haben einen Song, der ist live einfach der Knaller, weil wir das Publikum mit einbeziehen. Das ist der Song „These Boots Are Made for Walking“.

 

Ich habe Eure letzte Show im Knust gesehen. Ich war schon sehr von eurer Performance beeindruckt und wieviel  „Krach“ drei Personen machen können. Wie bereitet Ihr Euch auf eine Show vor, habt ihr regelmäßige Proben oder trefft ihr euch direkt auf der Bühne?

 

Das hängt davon ab. Am Anfang haben wir 2-3 mal die Woche geprobt, um einfach auf Autopilot zu kommen. So eine Show fordert uns konditionell sehr. Wir machen über 2h Dauersport auf der Bühne. Dazu braucht man natürlich Energie und Kraft. Wenn wir mehrere Shows vor der Nase haben, proben wir intensiv. Wenn es dann losgeht,  sind wir schnell in diesem Tourzyklus und es läuft fast von alleine. 

 

Ihr wart ja gerade in der Schweiz auf Tour, richtig? Wo habt ihr da gespielt? Wie waren die Leute so drauf?

 

Eine kleine Agentur aus der Schweiz hat unsere Konzerte gebucht. Es waren vor allem Nebenorte der größeren Städte, beispielsweise in der Nähe von Luzern, Zürich oder Basel. Die Schweizer sind unfassbar kaufkräftig. Wir konnten die Preise verdoppeln. Das ist wirklich ein Traum. Ich kann nur jeder Band empfehlen, in die Schweiz zu gehen und dort zu spielen. Die Livemusiklandschaft ist aber bei weitem nicht so groß wie in Deutschland, auch was die technischen Voraussetzungen seitens des Veranstalters angeht (Pa etc.).

 

Nun zu Dir als Sänger. Du hast ja eine sehr kräftige, aber auch klassische Rockstimme, wie man sie aus den Rockabillyzeiten aus den 50ern kennt. Das hört man seltener in Deutschland. Mir fällt da insbesondere Elvis zu Deiner Stimme ein, wobei ich in keinster Weise den einen mit dem anderen vergleichen mag. Jeder ist ja unique, aber ist er ein Vorbild?

 

Mein erster Berührungspunkt mit Musik war Elvis, den ich als kleines Kind im Radio gehört hatte. Das hat mich sofort gepackt. Elvis ist ein Künstler, den ich immer hören kann, egal, wie ich gerade drauf bin. Das ist die Musik, die mich immer wieder erdet und berührt. Einfach eine Jahrhundertstimme. Schon als Kind habe ich immer versucht, seine Songs zu singen und habe unbewusst seine Klangfarbe aufgenommen. Ich bin dafür auch ziemlich dankbar, dass das so ist.

 

Ich finde auch, dass du ihn nicht imitierst und der Gesang nicht „knödelig“ herüberkommt.

 

Ich verstelle mich nicht. 

 

Hast du eine Gesangsausbildung genossen? Nimmst du jetzt noch Unterricht oder bildest du dich da selbst weiter?

 

Ich habe frühzeitig in einer Schülerband angefangen zu singen und viel geguckt, wie es die Großen machen, mir selber ein paar Tricks erarbeitet. Hab dann allerdings auch eine chorische Stimmbildung gemacht. Dort habe ich auch klassische Stücke gesungen. Ich weiß also, wie man ein Vibrato erzeugt, den Ton hält. Das entscheidende ist, mit dem ganzen Körper zu singen. Man muss sich aber auch bewusst sein, dass die Stimme Training oder Übung braucht wie bei jedem anderen Instrument. Irgendwann kam bei mir der Punkt, wo es von alleine gelaufen ist. Ein Coaching oder einen Gesangslehrer hab ich nie gebraucht. Vor jedem Gig singen wir uns ein mit Übungen. Das ist echt cool, weil gerade Johnny, der früher nie gesungen hat, jetzt voll dabei ist. Er hat nun auch auf der aktuellen CD den Ramones Song „Sheena is a Punk Rocker“ gesungen. Pätzy singt ja sowieso gut und die fetten Gesänge sind für uns das 4. Instrument.

 

Wieviele Platten habt ihr bislang herausgebracht?

 

Im Dezember 2013 haben wir unsere erste EP herausgebracht. Die hieß Sloppy Joe’s, wir waren dabei sehr kreativ. (lacht) Am 30.09.2016 ist unser erster Long Player erschienen mit dem Titel „Eight Reasons to Rock“. 

 

Wieso heißt euer derzeitiges Album Eight Reasons to Rock? Weil da 8 Lieder drauf sind? Ist ja ne klare Aussage. 

 

Zum einen ist das Interpretationsspielraum des Hörers und zufälligerweise sind es auch 8 Songs.

 

Erzähl mir etwas über den Inhalt der Songs.

 

Der erste Song ist "Diana" ursprünglich von Paul Anka, klassischer 50ties Song. Das ist unser Opener, sowohl auf der CD und auch live. Der Song knallt und reißt sofort mit. Der zweite ist „Lonesome Number One“, usprünglich ein drei Akkordsong von Don Gibson. Daraus haben wir ein Metalbrett gemacht mit ein bisschen Black Sabbath und Volbeat-Einfluss. Er hat einen komplett anderen Groove als das Original. Etwas böse, aber auch mit viel Seele. 

 

Habt ihr auch einen ruhigen Song?

 

Wir haben zwei ruhigere Songs. Der dritte Song heißt „Right Decision“ und ist eigentlich ein ziemlich schneller Rocksong, das wird übrigens auch die nächste Single sein. Davon gibt es auch eine Akkustikversion auf der CD. Und „Without You“ ist auch ein ruhigerer Track, ursprünglich von der Band Badfinger. Diesen Song hat Harry Nilsson in den 70ern bekannt gemacht. Es ist ein wunderschöner Song, aus dem wir eine Hardrockballade gemacht haben. Es interessiert uns an dieser Stelle auch nicht, dass Mariah Carey diesen Song in den 90ern gecovert hat.

Wo habt ihr das Album aufgenommen?

 

Wir haben die Produktion etwas amerikanisch durchgezogen. Die Drums haben wir in den Elevate Studios aufgenommen. In unserem Studio kamen dann Bass, Gitarre und Vocals dazu und für den finalen Mixdown ging es zu Olman Viper in die Hertzwerk//Nullzwei Studios Das Mastering hat schließlich Maximilian Hardinghaus gemacht. Wir sind von dem Ergebnis absolut begeistert.

 

Seid ihr bei einem Label?

 

Ja, wir sind bei Timezone Records. Das ist ein recht großes Indie-Label. 

 

Wo kann man Euch in nächster Zukunft hören und was sind Eure Zukunftspläne und Wünsche?

 

Wir sind gerade am Ende unserer Reasons to Rock Tour. Am 10.12. spielen wir unser letztes Konzert für dieses Jahr im Kulturzentrum in Osterholz Scharmbeck. Die ersten Termine für das Frühjahr sind aber schon fertig gebucht und dann heißt es „Reasons To Rock“- Tour Teil 2.  Im Frühjahr erscheint auch noch das Musikvideo, was wir im Knust gedreht haben, um das Ganze nochmal ein wenig anzufeuern. 

 

Was wünscht ihr Euch generell?

 

Wir wünschen uns einen Stern auf dem Walk of Fame! (lacht) Was wir uns wünschen ist, weiter auch im Ausland zu spielen. Viele Veranstalter sagen uns, dass wir internationales Format haben. Wir wollen nach UK, Osteuropa und vielleicht auch mal in den U.S.A. spielen. Mal sehen, wohin die Reise noch geht. 

 

 

Vielen Dank an Jesse für das gute Gespräch!

 

Line Up:

Jesse Garon - Guitar/Vocals

Johnny Angel - Bass/Backing Vocals

Pätzy Dävey - Drums/Backing Vocals

 

Kontakt

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booking@sloppy-joes.de

 

Weblinks der Band

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